Bei diesem Yoga-Stil aus den USA hängen wir in einem elastischen Tuch, das mit einem Karabinerhaken an der Decke befestigt ist. Das Tuch gibt Halt und ermöglicht, was sonst im stressigen Alltag oft nicht denkbar ist: Loslassen. Diese luftige Art des Yogas lässt uns die Schwerelosigkeit erfahren und ein Glücksgefühl stellt sich ein.
Wir erfahren Entspannung
Am Anfang und zum Abschluss der Stunde liegen wir alle komplett eingehüllt in unseren Tüchern und schaukeln sanft hin und her. Fast wie in einer Hängematte, denn das Tuch bietet keinen Widerstand, gibt keine feste Form vor, sondern passt sich genau der Körperform an. Dann drehen wir uns auf die Seite und wir bekommen ein Gefühl, als lägen wir auf dem Wasser, sanft getragen von den Wellen. Wir baumeln in bunten Tüchern, fühlen und sicher, geborgen und entspannt. Wir erfahren ein Gefühl er Schwerelosigkeit und ein unglaubliches Glücksgefühl.
Wir erfahren Muskeltraining und Massage
Aerial Yoga kräftigt die Muskeln, fördert die Körperwahrnehmung und wir erfahren eine Tiefengewebsmassage. Letztere spürt jeder, der sich mit dem ganzen Körpergewicht in die Tuchschlaufe legt, um zum Beispiel in eine der Kopfüber-Haltungen zu gehen und wie eine Fledermaus von der Decke zu hängen.
Wir erfahren ein sanftes Training auch bei Rückenproblemen
Alle Stellungen, die es beim klassischen Yoga gibt, können auch im Aerial Yoga gemacht werden. Manche stellt das allerdings komplett auf den Kopf, wie die Taube, die im Tuch kopfüber ausgeführt wird — etwas, was auf dem Boden undenkbar wäre. Aerial Yoga ist gerade auch für unsportlichere Menschen oder solche mit Rückenproblemen gut geeignet. Viele Übungen gehen im Tuch einfach leichter und rückenfreundlicher. Die Kopfüber-Haltungen sorgen beispielsweise dafür, dass die Wirbelsäule mal so richtig schön lang gezogen wird und lösen oft auch Blockaden, wie starre Hüften. Blockaden, die auch auf der energetischen Ebene liegen können. Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass sich Aerial Yoga auch auf andere Lebensbereiche auswirkt. Plötzlich ist mehr Mut da, eine andere Sichtweise, ein Perspektiv-Wechsel. Manchmal werden auch längst überfällige Schritte — wie eine Trennung — endlich gehbar. Außerdem bringt das schwerelose Üben in der Luft eine kindliche Freude und Verspieltheit mit sich, die im Erwachsenenalltag meist gänzlich verloren gegangen ist.
Yoga kopfüber, schwerelos und glücklich
Wir hängen uns ins Tuch, zaghaft, ausprobierend, ob das Tuch wirklich hält. Wir schwinge nach links und nach rechts, mache Drehbewegungen, dehnen uns. Dann beugen wir den Körper nach vorne, Hände auf den Boden, Beine in die Luft. Es schwingt und schlingert, das Tuch drückt auf die Hüfte. Nun die Beine um das Tuch wickeln. Ich gebe Hilfestellung. Nach wenigen Minuten hängen wir alle verkehrt herum in der Luft, der Kopf schwingt knapp über dem Boden leicht vor und zurück. Wir können immer mehr los lassen, geben unser ganzes Gewicht an das Tuch ab. Manche Übungen brauchen Mut, aber wir werden mit einem starken Wohlgefühl und einem Hormon Cocktail im Körper belohnt. Dem Glücksgefühl. Wann haben wir das letzte Mal in der Luft gebaumelt oder uns schon mal einen Handstand geraut?
Wir können im Aerial Yoga Kurs herausfinden, wo unsere Grenzen sind und wie wir mit diesen Grenzen umgehen. Wir lernen im Yoga fürs Leben. Und wenn wir in einem geschützten Rahmen mutig sind – können wir das vielleicht in unseren Alltag übertragen. Wenn wir es lernen, uns zu entspannen, auch wenn etwas schwierig ist, dann ist das eine Fähigkeit, die wir im Alltag brauchen. Wie beim Yoga auf der Matte sind mir bewusstes Atmen, Achtsamkeit, Entspannung, sich selbst in den Übungen wahrnehmen und bei sich sein wichtig. Wir hängen auch kopfüber und es gibt die ein oder andere „spektakuläre“ Übung – aber wir machen Yoga. Beim Yoga kommt es grundsätzlich nicht darauf an, WAS wir machen, sondern WIE wir etwas machen.